Nochmal Dezentralisierung

Nicht jede (deutsche) Festnetznummer muss von einem Festnetzanschluss aus erreichbar sein, meint die, für die Regulierung unter anderem des Telekommunikationsmarktes verantwortliche, Bundesnetzagentur.

Im konkreten Fall geht es um die Sperrung der Festnetz-Einwahlnummern von Konferenz- und anderen Diensten durch O2 und E-Plus. Für Kunden der beiden Mobilfunkanbieter sind die Angebote danach nicht länger nutzbar.

Ob derartige Dienste, die häufig zu erhöhter Ausnutzung ohnehin vorhandener Flatrate-Tarife führen, tatsächlich, wie von den beiden E-Netz-Betreibern argumentiert, die Stabilität der Netze gefährden, kann man als Laie nur mutmaßen.
Auf jeden Fall aber demonstriert der Fall, welche Gefahren ein anbieterabhängiges, nicht neutrales Telekommunikationsnetz birgt und wie leicht es für die Netzkommunisten1 O2 und E-Plus ist, Anbieter zu diskriminieren, die in ihrem Revier wildern.

Durch einerseits die Verwendung wirklich dezentraler Kommunikationssysteme, wie etwa XMPP/Jabber mit libjingle oder auch SIP, können derartige Probleme in Zukunft vermieden werden. — Aufgeworfen wird damit aber selbstverständlich wieder die Frage nach der Neutralität des Datennetz’. Auch hier täte eine weitere Re-Dezentralisierung mittelfristig Not.

  1. zur ursprünglichen Verwendung des Terminus siehe zB. hier []

Facebook Connect – Ubiquitous LockIn

Warum man Facebook Connect nur sehr überlegt zum Login verwenden sollte.

Facebook Connect ist praktisch und scheint sich als Single Sign On-Service erster Wahl bei mehr und mehr Internet-Diensten durchzusetzen. Bei Registrierung für einen neuen Webservice verknüpft der ohnehin schon von den Möglichkeiten des Web2010 überforderte Nutzer sein neues Konto mit der eigenen Facebook-ID und kann sich künftig sicher und ohne Eingabe eines Passworts beim betreffenden Dienst einloggen.
Einfach, indem man nachweist, dass man auf das verknüpfte Facebook-Konto zugreifen kann.
Mehr als ein Kennwort muss man sich also nicht mehr merken und kann außerdem, dem entsprechenden Service Zugriff auf den eigenen Social-Graph und den Facebook-Stream gewähren.

Warum sollte man etwas so praktisches also nicht nutzen?
Weil man keine wirkliche Kontrolle über die eigene Facebook-Identität besitzt. Sollte also Facebook aus irgendwelchen Gründen einmal den Account sperren, die Facebook-Connect-Funktion abschalten oder schlichtweg pleite gehen und den Laden dicht machen, verliert man damit im schlimmsten Fall den Zugriff auf eine Reihe weiterer Dienste.
Außerdem bindet man sich so zunehmend an einen einzigen großen Dienst, dem man nur noch schwer kündigen kann, weil man so den Zugriff auf eine ganze Reihe zusätzlicher Dienste verliert. Aus dem ubiquitous login wird so ein ubiquitous lockin: Allgegenwärtige Gefangenschaft.1

Facebook-Connect ist also in seiner gegenwärtigen Form auf gewisse Weise eine Gefahr für die freie Evolution und Weiterentwicklung des Internets. Besser sind da dezentrale Services, wie etwa OpenID, die sich bei beliebigen Anbietern und sogar auf eigenen Servern und unter eigenen URLs einrichten lassen, aber die entscheidenden Funktionen von Facebook-Connect gleich gut und teilweise besser erfüllt.

Interessanter Artikel der peripher mit dem Thema zu tun hat: The Connect Wars [via]

  1. Dieselben Nachteile gelten natürlich auch für andere monokulturelle Single-Sign-On-Services, wie etwa die OAuth-Implementation von Twitter. []

Weltverschwörung

Achja… diese Juden1 … . Glauben doch tatsächlich sie könnten ‘uns’ (d.i. der Papst) vorschreiben, was wir zu tun haben, um den Welthunger zu stillen.
Man kann uns den Holocaust nicht ewig vorhalten. Wir erwähnen das mit den Brunnen ja auch nicht mehr alle Nase krumm lang.

Und jetzt mal ernsthaft. Anschauen:

[via]

  1. Disclaimer: Sowohl der Titel »Weltverschwörung«, als auch die Formulierung »diese Juden« und was auch immer hier jetzt in dieser Richtung folgen mag ist irgendwie nicht als antisemitische Stimmungsmache, sondern als ironisch-satirische Krümmung meiner eigentlich doch eher politisch-links zu verortenden Haltung und als Lückenfüller vor dem eingebetteten Video zu verstehen. – Blöd, dass man sowas heute immer gleich dazu schreiben muss. []